Neuer Record Hop in Petershagen
In herrlichem Ambiente entsteht derzeit in Petershagen bei Minden ein neuer regelmässiger Record Hop. Veranstalterin Ulrike Becker und
ihr Partner Peter Altmann haben sich als Rahmen das Alte Amtsgericht in der Mindenerstraße ausgewählt. Am 06.04.2002 fand dort
bereits zum zweiten Mal eine Tanzveranstaltung statt. In klassischer Atmosphäre konnte der Gast im - im Design der 50er Jahre
eingerichteten - ehemaligen Schöffensaal abtanzen und bei Bedarf anschliessend die als "Rast im Knast" beworbene Übernachtung
in einer ehemaligen Gefängniszelle nutzen (für nur 11,- Euro incl. Frühstück).
Die Veranstalter machten es sich zum Ziel, die norddeutsche Tänzerschaft mit "besserer Musik als in Stadthagen" (ein wegen seiner
Musik allgemein stark kritisierter Record Hop) zu ködern. Mit zwei DJs angetreten - einem für internationale, einem weiteren
für deutsche Musik - wollten sie diesem Anspruch gerecht werden. Um es vorwegzunehmen: Wenngleich es sich hierbei nicht um eine
schwierige Anforderung handelt, so ist es ihnen dennoch nur zum Teil gelungen.
An der Vorbereitung lag es sicher nicht. Mit viel Liebe zum Detail wurde der Saal dekoriert, ein Getränkestand sorgte - auch mit kleinen
Snacks - für das leibliche Wohl. Ferner fand der Gast kostenlos kleine Knabbereien auf den Tischen vor. Bei nur 2,- Euro Eintritt ein
bemerkenswertes Angebot der Veranstalter. Schliesslich überraschte ein sehenswertes DJ-Pult im Stil klassischer Musikboxen - selbst
gebaut vom Veranstalter - die etwa 150 Gäste bei Betreten des Tanzsaals. Was dort herauskam, konnte die anwesenden Gäste
jedoch nur teilweise zufriedenstellen. Der DJ Karl-Heinz Müller gab sich zwar redlich Mühe und erfüllte bereitwillig alle
Musikwünsche, die Unerfahrenheit mit Tanzveranstaltungen war ihm jedoch deutlich anzumerken. Die Musik wechselte unmotiviert
zwischen gut tanzbaren und unerträglich schnellen Songs, die die gerade erst frisch belebte Tanzfläche sofort wieder
freiräumten. Ein System war nicht zu erkennen. Eigentlich schade, denn an Tanzwilligen mangelte es beim besten Willen nicht. Die
sicherlich nicht unterdimensionierte und mit einem etwas glatten, aber insgesamt sehr guten Parkett ausgelegte Tanzfläche war zumindest
in den lichten Momenten des DJs brechend voll. In diesen Augenblicken war erkennbar, wieviel Potenzial in dieser Veranstaltung steckt und
wie ausgehungert die Boogietänzer Norddeutschlands sind.
Eine brilliante Idee ist es, eine "deutsche Ecke" einzurichten und diese Kleinode deutscher Musikkultur ans geneigte Ohr der
Zuhörerschaft zurückzuführen. Schliesslich hat diese Musik einen nach wie vor ungebrochenen Charme und steckt so voller -
teilweise ungewolltem - Wortwitz, dass sie immer wieder ein Schmunzeln auslöst oder die ältere Generation zu Reminiszenzen anregt.
Leider ist dem hierfür zuständigen DJ Peter Altmann jedoch anzulasten, dass er seinen Job scheinbar mehr aus Selbstzweck
auszuüben scheint, denn ihn als Dienstleistung an der zahlenden Kundschaft zu verstehen. So zog er seine Parts mit teilweise über
einer Stunde Dauer viel zu sehr in die Länge, anstatt sie auf höchstens 20-minütige Akzente zu beschränken. Zudem
spielte er zum Teil völlig untanzbare Stücke und strapazierte damit die Geduld seiner Gäste aufs äußerste.
Insgesamt wurde die deutsche Musik aber phasenweise dankbar angenommen. Für die "deutsche Ecke" gilt daher: sehr gute Idee, aber
weniger ist eindeutig mehr.
Fazit: Seit der Einstellung von Heidis legendärem Record Hop im Pappelkrug in Bielefeld ist man hier im Norden ja schon mit wenig
zufrieden. Nicht zuletzt deshalb werden die Boogietänzer Ulrike Becker ihr Engagement danken. Endlich gibt es wieder eine Anlaufstelle.
Und mit etwas Feinschliff kann aus der Veranstaltung durchaus eine Perle werden. Die nächste Veranstaltung ist für den 01.06.02
(20:00h) angekündigt, eine weitere ist bereits für Ende Juli geplant. Bei guter Akzeptanz wird sie im sechs- bis siebenwöchigen
Turnus stattfinden. Aus diesem Grund sei allen Boogietänzern und Freunden "unserer" Musik angeraten, dort einmal reinzuschauen. Info
bei Ulrike Becker (05707 / 80 201).
Angi & Ralf Reinhardt